Russbach

Russbach bei Pillichsdorf

Namensherkunft

Eine These zur Namensgebung des Russbachs kann man in der „Neuesten Landeskunde von Österreich unter der Ens“ von Blumenbach aus dem Jahr 1834 nachlesen. Da heißt es, der Rußbach sei ein Bach, an dessen Ufern Ulmen wachsen; der Name leite sich vom mittelhochdeutschen Begriff „rust“ ab (= Ulme, Rüster).

„Der Rußbach oder Rustbach entspringt unter einer Russe (Ruster) zu Gros-Rußbach westlich von Gaunersdorf.

Wiederum eine weitere These zur Namensherkunft des Russbachs habe ich in dem Buch „Der politische Bezirk Floridsdorf-Umgebung. Ein Heimatbuch. Schule und Haus dargestellt.“ von Edgar Weyrich aus dem Jahre 1924 gefunden:

„Er hat nichts – wie man mancherorts hört – mit den Rusten zu tun, unter denen er angeblich entspringt, was schon deshalb unrichtig ist, da er ja aus 31 Quellen sein Wasser erhält,…

sondern bringt die Eigenart des Bachwassers zum Ausdruck. Zur Erklärung des Namens zieht der große heimische Namensforscher Dr. R. Müller zwei Mitglieder eines alten Adeslgeschlechtes heran. Vor 1158 kommt ein Herbordus de Rustpach und 1194 ein Gerunch de Ruspach urkundlich vor. Wir haben also zwei Wörter hier: rust, die Nebenform von rost (Rost, rot) und rust = rast (Ruhe, Rast). Darnach wäre der Rußbach ein Bach, an dem man zu Tränke rastet, oder ein Bach mit rostrotem Wasser oder ein langsam dahinfließender Bach.“ Mit der Eigenart des Bachwasser sind die Überschwemmungen gemeint, welche in vielen Ortschaften große Schäden verursachten.

Ursprung

Ob der Russbach nun unter einer Ulme entspringt oder nicht, Fakt ist, er entspringt in einem sumpfigen Gebiet, nördlich der Ortschaft Lachsfeld (Marktgemeinde Ernstbrunn) und hat eine Gesamtlänge von 71 Kilometer mit einer durchschnittlichen Durchflussmenge von 0,2 m³ pro Sekunde, somit zählt er zu den längsten Flüssen des Weinviertels – länger sind nur die Schmida und Thaya.

Nach Lachsfeld fließt der Russbach nach Würnitz, Kreuttal, Schleinbach, Ulrichskirchen, Wolkersdorf, Obersdorf, Pillichsdorf, Deutsch-Wagram, Parbasdorf, Markgrafneusiedl, Leopoldsdorf im Marchfeld, Engelhartstetten und mündet dann schlussendlich bei Hainburg in die Donau (ca. 140 m ü. A.).

Entlang des Russbachs gab es einst sumpfige, feuchte Landschaften, welche jedoch nach und nach trockengelegt wurden. Aufgrund häufiger Hochwasserschäden wurde der Bach zu einer Art Abzugsgraben „umfunktioniert“ – das Wasser sollte schnellstmöglich abgeleitet werden. Noch heute ist der Russbach für die Ableitung der Regenwässer aus der Stadt Wolkersdorf von großer Bedeutung. Eine weitere Intention der Trockenlegungen war, das Flussumland für die Landwirtschaft nutzbar zu machen. Zudem galten die ehemals schlammigen Böden als nährstoffreich. Mit den Flussmäandern verschwand leider auch eine Vielzahl an lokalen Biotopen, sprich Lebensräume für Pflanzen, Tiere und Insekten. Der Hochleithenwald leidet ebenfalls unter dem Verlust angrenzender Feuchtflächen.

Auf die Hochwasserschäden durch den Rußbach geht Wenzel C. W. Blumenbach in der „Neuesten Landeskunde von Österreich unter der Ens“ kurz ein: „Der Rußbach ist berüchtigt durch die zahllosen Überschwemmungen, der er jährlich auf dem Marchfelde verursacht, und durch die Versumpfung der an seinen Ufern gelegenen Wiesen und Felder, besonders nach starken Regengüssen und jähem Thauwetter.“ (Blumenbach 1843). In der Großengersdorfer Dorfchronik ist von der verheerenden Überschwemmung im Jahr 1830 zu lesen: Plötzliches Tauwetter ließ den Wasserstand im Rußbach ansteigen und überschwemmte den Nachbarort Pillichsdorf. Im Jahre 1940 riss der Damm und überflutete Deutsch-Wagram und die Umgebung großflächig.

Da der Russbach stellenweise fast austrocknete, wurde er ab dem Jahre 1992 über den Marchfeldkanal bei Deutsch-Wagram mit Donauwasser gespeist. Dies verursachte eine deutliche Hebung des Grundwasserspiegels im Marchfeld. Seit jeher wurde der Bach sogar zu einem, mit kleinen Booten befahrbaren Gewässer. Hin und wieder erblickt man zwischen Deutsch-Wagram und Engelhartstetten (auf einer Strecke von rund 31 km) Kanuten und Paddler. Nach Engelhartstetten ist die Strecke nicht mehr zu empfehlen, da Nähe Donaumündung einige gefallene Bäume den Bach queren.

Russbach -> Donau -> Schwarzes Meer

Fotostrecke

Zum Abschluss gibt es noch eine kleine Fotostrecke vom heutigen (10.08.2020) Spaziergang bei Engelhartstetten. Wir wollten uns ansehen, wo der Russbach in die Donau mündet. Bei der Mündung konnten wir allerdings nur relativ kurz verweilen, da uns die Gelsen den Aufenthalt erschwerten – jedoch war es ein angenehmer Spaziergang an einem heißen Sommertag. Je näher wir dem Fluss kamen, desto angenehmer wurde die Luft, die uns der Wind von der Donau herbeiwehte. Interessant zu beobachten war außerdem, wie sich ein Gewitter anbahnte: Am Rückweg zog in einigen hundert Metern Entfernung ein starker Regenschauer vorüber, der Wind wehte lebhaft und trug einige Regentropfen bis zu uns.

 

Quellen:

Wikipedia: Russbach
– „Neueste Landeskunde V1: Von Oesterreich Unter Der Ens (1834)“ von Wenzel Carl Wolfgang Blumenbach (Link*)
– „Der politische Bezirk Floridsdorf-Umgebung. Ein Heimatbuch. Schule und Haus dargestellt.“ von Edgar Weyrich (Link*)

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– verfasst von Stefan Gazsi

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